Mittwoch, 29. Mai 2013

Uns von der Natur berühren lassen...

 
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In Mark Colemans Buch "Die Weisheit der Wildnis" (ich werde demnächst auch noch eine umfassende Rezension posten) fand ich dieses wundervolle Zitat:


Uns alle kann die Natur auf unterschiedliche Art und Weise berühren, sobald wir unsere Haltung ihr gegenüber ändern und ihr empfänglich und achtungsvoll begegnen. Wenn wir die Birken, die Vergissmeinnicht und die krächzenden Raben in den Baumwipfeln achten und bereit sind, von ihnen zu lernen, entwickeln wir vielleicht allmählich eine Beziehung zu ihnen. Und dann wird die Natur lebendig. Wir betrachten sie nicht länger als eine leblose oder nett anzuschauende Sache, sondern sehen sie als lebendige, atmende, geheimnisvolle Welt und als Schatztruhe der Weisheit und des Lernens, die stets ihre Lektionen für uns bereithält. So erwacht unsere Welt zum Leben und erlaubt uns, uns in jedem Augenblick berühren zu lassen: von den Magnolien in unserer Straße, der kühlen Novemberluft oder der Verspieltheit der im Gebüsch umherflitzenden Zaunkönige.











Mark Coleman: Die Weisheit der Wildnis

Donnerstag, 23. Mai 2013

Dostojewski - Die Welt lieben...

Liebe jedes Blatt ... Liebe die Tiere, liebe die Pflanzen, liebe alles. Wenn du alles liebst, wirst du das (...) Mysterium hinter den Dingen erkennen. Und wenn du es erkannt hast, wirst du es jeden Tag besser verstehen. Und am Ende wirst du die ganze Welt mit einer unerschütterlichen, allumfassenden Liebe lieben. 



Fjodor Dostojewski, Die Brüder Karamasow


Paul Hawken - Wir sind der Wandel


Ein grundlegender Wandel ist nötig – soweit sind wir uns alle einig. Ein Wandel, der dafür Sorge trägt, dass dem Umweltschutz endlich die gebührende Aufmerksamkeit zukommt, der das Leben achtet und in jeder Form respektiert, für den soziale Gerechtigkeit nicht nur eine leere Worthülse ist und der auch indigenen Völkern ihren Lebensraum zugesteht und nicht der Profitgier von millionenschweren Unternehmen opfert. Um es kurz zu sagen: Wir brauchen Menschen, denen die Lebensgrundlagen unseres Planeten am Herzen liegen und die seine Gesamtheit und Vielfalt erhalten möchten.

Der amerikanische Journalist Paul Hawken beschreibt in seinem Buch „Wir sind der Wandel“ diese Menschen, die sich einsetzen, die in irgendeiner Form – meist auf lokaler Ebene – aktiv werden und in beeindruckender Weise Einfluss auf ihre Kommunen, Regierungen und ihre Wirtschaft nehmen. Er schildert eine nahezu unsichtbare Bewegung, die immer weiter wächst und von Millionen Menschen getragen wird. Menschen, die sich wohl niemals treffen werden, die aber dennoch Teil eines weltumspannenden Netzwerks sind, welches von den Medien jedoch nicht wahrgenommen wird, da hier nicht die gewohnte Organisationsstruktur einer fixierten Ideologie vorliegt und somit eine mediengerechte Identifikation und Berichterstattung schwierig sind. Umso wichtiger ist Hawkens Buch, der diese Bewegung zusammenfasst, ihre geschichtlichen Anfänge in der Natur- und Gesellschaftsbetrachtung von Autoren wie Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau beleuchtet, über das Immunsystem der Erde und die Rolle der indigenen Völker referiert und schließlich mit einer ganz besonderen Qualität dem „Imperium“ einen Strich durch die Rechnung macht: Hoffnung. Hoffnung, die Kraft gibt, an diesem Wandel mitwirken zu wollen!

Wenn Paul Hawken bei seinen Vorträgen gefragt wird, ob er in Hinblick auf die zukünftigen Entwicklungen pessimistisch oder optimistisch sei, dann antwortet er stets gleich: „Wenn man sich die Forschungsergebnisse anschaut, die das beschreiben, was heute auf der Erde geschieht, und nicht pessimistisch ist, dann hat man nicht das korrekte Datenmaterial. Wenn man Menschen kennenlernt, die zu dieser namenlosen Bewegung gehören, und nicht optimistisch ist, hat man kein Herz.“

Gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger macht Hawken deutlich, dass mit dem „Wir“ aus dem Titel seines Buches letztlich wir alle gemeint sind, jeder einzelne von uns. Bei unserem Einsatz für eine lebendige Vielfalt und eine lebenswerte Zukunft können wir vertrauen: „Die natürliche Intelligenz des Lebens wird uns führen, denn sie erschafft in jeder Sekunde unzählige Wunder, die von einer Bewegung weitergetragen werden, die namenlos ist.“
Paul Hawken ist sich sicher: „Das ökologische Gleichgewicht wieder herzustellen ist außerordentlich einfach: Wir beseitigen das, was das System daran hindert, sich selbst zu heilen.“
Starke Worte und ein starkes, sehr empfehlenswertes Buch!

  






 
Paul Hawken
Wir sind der Wandel
Warum die Rettung der Erde bereits voll im Gang ist – und kaum einer es bemerkt
Hans Nietsch Verlag



Freitag, 10. Mai 2013

Ryokan

Ryokan / Zeichnung von Kawai Gyokudo
Ein östlicher Wind
brachte den benötigten Regen,
die ganze Nacht
floss er in Strömen über das Strohdach,
während dieser Einsiedler
friedlich schlummerte,
ungestört vom Aufruhr
der fließenden Welt.

Grüne Berge baden im Sonnenaufgang,
Frühlingsvögel zwitschern in den Zweigen.
Ziellos spaziere ich durch die Pforte hinaus -
Bächlein fließen zu fernen Dörfern,
Liebliche Blumen schmücken die Berghänge.

Ich sehe einen alten Bauern,
der einen Ochsen führt,
und einen Jungen, der eine Hacke trägt.
Menschliche Wesen
müssen zu allen Jahreszeiten arbeiten,
von Sonnenaufgang bis -untergang.
Ich lebe hier in der Nähe meines Geburtsortes
und bin der einzige, der nichts zu tun hat.

Meister Ryokan (1758 - 1831)

Donnerstag, 25. April 2013

Alles ist gesegnet

Der Sonderweg des keltischen Christentums

 
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Klimawandel, Naturzerstörung, Wald- und Artensterben – die Schreckensmeldungen unsere Umwelt betreffend sind zahlreich und bedrohlich.
Immer wieder hört man auch Stimmen, die die Ursache unseres destruktiven Umgangs mit unserem Planeten auf ein bestimmtes Bibelwort zurückführen:
„Füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet“ (1.Mose 1, 28)
Dass die Fehlinterpretation dieses Wortes oft zur Rechtfertigung eines gedankenlosen Umgangs mit der Natur und ihrer Ausbeutung herangezogen wurde und dass die Grundhaltung einer Erlöserreligion dazu neigt, die Welt von der sie erlöst zu werden hofft, nicht wertzuschätzen, ist sicher unstrittig.
Dass es im Rahmen des Christentums aber noch einen gänzlich anderen Zweig gab und gibt, der eine schöpfungszentrierte Sicht lehrt und diese auch praktiziert, ist Vielen leider unbekannt.
Die Sonderform des Christentums, die sich in den keltisch geprägten Ländern ab dem späten 2. Jahrhundert entwickelte und sich später von dort in das heutige Europa und darüber hinaus ausbreitete, kann zurecht als ein „grünes Christentum“ bezeichnet werden.

Schaut man sich die Wurzeln dieser Sonderform und ihre heutigen Vertreter an, so scheint das keltische Christentum wichtige Antworten auf heutige Fragen zu liefern. Die Kürze dieser Darstellung erlaubt keine genaue historische Abhandlung, doch soll sie einen Einblick in eine Geisteshaltung ermöglichen, von der wir, ob Christ oder nicht, viel lernen können.

Das keltische Christentum ist in bestem Sinne „umweltfreundlich“, auch wenn dieser Begriff in der Entstehungszeit dieser Religion gänzlich unbekannt war und die Haltung eher aus einem ehrfürchtigen Wertschätzen der Schöpfung Gottes geboren wurde. Die positive Einstellung zur Natur resultierte aus einem Gefühl des Eingebundenseins in die Güte der Schöpfung, in die große Feier allen Seins.
So kennt das keltische Christentum zwei Bücher, auf die es sich bezieht: Die Bibel und das Buch der Schöpfung, die Welt der Natur, welche täglich aufgeschlagen und in voller Pracht vor uns liegt.


Eine grüne Religion von der grünen Insel

 
Gerade in Irland verbanden die frühen Mönche das Beste aus zwei Welten und machten sie wieder zu einer Welt, einer Welt Gottes.
Irland war in Europa insofern eine Ausnahme, als es bereits in der Antike christlich wurde, ohne je Teil des römischen Reichs gewesen zu sein. Insofern hielt es sich immer ein wenig „außerhalb des Kontrollbereiches“ der römisch-katholischen Kirche auf und konnte Lehren aus der druidischen Tradition mit in das neu entstehende christliche Weltbild aufnehmen.

Taliesin, der wohl berühmteste Barde, behauptete im 6. Jahrhundert gar, das Christentum hätte es schon immer gegeben und die Druiden hätten schon immer „christlich“ agiert. Dies klingt zwar eher wie ein nachträglich erfundenes Wort, doch ist die Nähe mancher christlichen Tugenden zu druidischen Weisheiten auffallend. Ebenso ist das Druidentum die einzige Form neuheidnischer Spiritualität, in der heute auch bekennende Christen aktiv sind, wie das Beispiel des weltweit größten Druidenordens, des Order of Bards, Ovates and Druids (OBOD) zeigt. 

Eine positive Theologie entstand damals in den keltischen Ländern: Jesus wurde nicht primär als Erlöser der Sünder angesehen, sondern als Vollender von Gottes Schöpfung und Vorbild menschlicher Entwicklung. So sahen es Ende des 2. Jahrhunderts Irenaeus, der Bischof von Lyon, und  später auch Pelagius und Johannes Scotus Eriugena, dessen philosophische Werke großen Einfluss auf die geistesgeschichtliche Entwicklung Europas nahmen, so dass Hegel von ihm sagte: „Eriugena war der erste, mit dem nun eine wahrhafte Philosophie beginnt...“

Betont wurde die Immanenz Gottes, nicht die Transzendenz. Gott oder das Göttliche war eine inwendige Erfahrung, eine Stimme im Herzen jedes Wesens, die als Wegweiser und Richtschnur für ein gelingendes Leben fungierte. Gott war in seiner Schöpfung gegenwärtig und stand nicht außerhalb von ihr, wie diejenigen, die besonderen Wert auf die Transzendenz legten, annahmen.

Ebenso wurde Christus nicht als ferner Herrscher empfunden, sondern als Gefährte, Freund und Lehrer, der auch im Alltag ganz nah war.
Ein schönes Beispiel für diese Sichtweise ist ein Text, der als sogenanntes „Brustschild“ von St. Patrick bekannt ist:

Christus sei mit mir, Christus in mir,
Christus hinter mir, Christus vor mir,
Christus zu meiner Seite, Christus mich zu gewinnen,
Christus mich zu trösten und wiederherzustellen,
Christus unter mir, Christus über mir,
Christus in der Stille, Christus in der Gefahr,
Christus in den Herzen all derer, die mich lieben,
Christus im Munde von Freund oder Fremden.


Innerhalb des keltischen Christentums gab es keine Hierarchie von Patriarchen oder Metropoliten, der Herr der Kirche war ausschließlich Christus. Das Mönchswesen blühte und entwickelte sich, wobei die Klöster größten Wert auf das Studium der Bibel legten, was zu dieser Zeit nicht selbstverständlich war. So bekam Irland bald den Ruf einer „Insel der Heiligen und Gelehrten“ und noch Karl der Große holte aus diesem Grund viele irische Mönche an seinen Hof.


In allem gegenwärtig
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Das Göttliche ist in allen Elementen, in Steinen, Pflanzen und Tieren gegenwärtig. Die Natur ist die Offenbarung der Schöpferkraft Gottes. Biblische Parallelen zu diesem heidnischen Erbe wurden vor allem im Alten Testament, in den Psalmen gefunden, die die keltischen Mönche besonders liebten. Hier springen die Berge wie Widder, Hügel hüpfen wie Schafe, die Bäume klatschen in die Hände vor Freude und zum Lob des Schöpfers, der alles mit seiner Energie belebt. Alles Geschaffene reflektiert diese nährende Liebe und gibt diese weiter!
Eines der bewegendsten Beispiele für den Glauben an eine aktive Gegenwärtigkeit Gottes in der Schöpfung finden wir wiederum bei St. Patrick:

Unser Gott ist der Gott aller Menschen, der Gott des Himmels und der Erde, der Meere und Flüsse, der Sonne und des Mondes und der Sterne, der hochragenden Berge und des tiefen Tals, der Gott über dem Himmel, der Gott im Himmel, der Gott unter dem Himmel. Er hat seine Wohnstatt überall in Himmel und Erde und Meer und in all dem, was darinnen ist. Er inspiriert alles, er regt alles an, er dominiert alles, er erhält alles. Er zündet das Licht der Sonne an; er liefert das Licht des Lichtes; er hat Quellen in das trockene Land gesetzt und Sterne in den Himmel, den größeren Lichtern zu Hilfe.


Hier fällt auf, dass alles im Präsens geschrieben ist: Gott hat nicht irgendwann in der Vergangenheit etwas geschaffen und sich danach zur Ruhe gesetzt, sondern sendet seine Schöpferkraft jeden Tag neu aus! Die Erde und alles, was auf ihr lebt, ist Ausdruck dieser Kraft.
Das keltische Kreuz, bei dem ein symmetrisches Kreuz (die Auflösung der Gegensätze) von einem Kreis (die Ganzheit und Vollkommenheit der Schöpfung) überlagert wird, ist bis heute in den keltischen Ländern üblich.


 
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Beide Bereiche sind zusammengefasst in Einem. Es gibt, anders als in manchen kirchlichen Zirkeln heutzutage, keine strikte Trennung von Heiligem und Profanen. Gebete werden für jede alltägliche Tätigkeit gesprochen, alles ist von Heiligkeit durchdrungen, weil Gott alles durchdringt und erhält.

Lehre mich, mein Gott und König, in allen Dingen dich zu sehen

und alles, was ich tue, zu tun als wäre es für dich.
George Herbert

Wenn man in allen Dingen das Göttliche erkennt, wird es unmöglich, zerstörerisch oder rücksichtslos zu handeln. Wenn ich Gott liebe, liebe ich die Schöpfung Gottes ebenso. Mit dem, was ich liebe, gehe ich achtsam um. Ich ehre es und möchte es verstehen.
Manche keltischen Mönche sahen die Natur sogar als Gottesbeweis an, da sie glaubten, dass die Existenz Gottes durch die genaue Beobachtung der Ordnung und Schönheit seiner Schöpfung bestätigt werden könne.

Verstehe die Schöpfung, wenn du den Schöpfer kennen willst...
Denn diejenigen, die die weite Tiefe zu kennen wünschen,
müssen zuerst die Natur überdenken.

St. Columbanus

Da das Göttliche in allen Wesen gegenwärtig ist, nimmt der Mensch auch keine Sonderstellung als „Krone der Schöpfung“ ein. Auf die Idee, dass Tiere keine Seele haben, wie es die römisch-katholische Kirche immer noch propagiert, wäre ein keltischer Mönch niemals gekommen, denn wie sollte ein Wesen ohne Seele leben können?! Alles, was lebt, ist von Gott beseelt, hat von Gott den Lebensodem eingehaucht bekommen.


Der pelagianische Streit und die Folgen


Gemäß dem Bibelvers „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ (1. Mose 1,31) wurde die Natur von den schottischen und irischen Mönchen und ihren Glaubensbrüdern aus der Bretagne als grundsätzlich gut angesehen. Die Idee einer Erbsünde, von der erlöst zu werden wir bedürfen, ist eine tragische Verzerrung, die der Kirchenvater Augustinus etablierte.
Einer der größten Gegner des Augustinus war der britische oder irische Mönch Pelagius, der in seinen Predigten vehement bestritt, dass die Menschheit zum Schlechten prädestiniert und zur Verdammnis bestimmt sei, wie Augustinus es lehrte. Die Lehre der Prädestination und der ererbten Sünde widersprach laut Pelagius der von Gott gegebenen Willensfreiheit des Menschen und ebenso seinem göttlichen Ursprung als Teil der Schöpfung. Er zeigte auf, dass Augustinus’ Lehre darauf hinauslief, dem Bösen den gleichen Rang wie dem Göttlichen einzuräumen und einem folgenschweren Fatalismus Tür und Tor zu öffnen.
Augustinus ging mit bis dahin in der Kirche unbekannter Härte und Intoleranz gegen Pelagius vor und setzte sich letztlich durch, konnte jedoch nicht verhindern, dass die Ideen Pelagius’ weiter in der Geschichte wirkten.

So wurden die pelagianischen Lehren erneut durch den sog. Semipelagianismus belebt, dessen auch Johannes Cassian verdächtigt wurde, ein (wahrscheinlich rumänischstämmiger) Mönch auf den die Praxis des Ruhegebetes (eine frühe Form christlicher Meditation) zurückgeht und der ein großer Einfluss für Benedikt von Nursia, den Vater des europäischen Mönchwesens, war.

So schimmert auch heute in diesen Meditationsformen, wie sie z.B von John Main, der sich ebenfalls auf Johannes Cassian berief, und Laurence Freeman weiterhin gelehrt werden, die Liebe zur Schöpfung und ihrer Einheit hindurch.
Der ehemalige Dominikanerpater Matthew Fox hat den Begriff „Schöpfungsspiritualität“ wieder zurück in die kirchliche Debatte gebracht (leider nicht sehr erfolgreich) und Menschen wie der irische Pater Seán ÓLaoire, dessen Großvater noch vielen Nachbarn als Druide galt, machen das Erbe ihrer heidnischen Wurzeln heute sichtbar. Sowohl Fox als auch ÓLaoire dürfen heute übrigens nicht mehr predigen, da sich ihre Ansichten nicht mit der offiziellen Lehrmeinung der römisch-katholischen Kirche decken.

Sogar in der modernen Physik gibt es vermehrt Stimmen, die den Erkenntnissen der Naturreligionen und des frühen keltischen Christentums Tribut zollen. Der amerikanische Physiker Brian Swimme, der selbst indianische Vorfahren hat, weist nachdrücklich darauf hin, dass die Erkenntnis der Einheit allen Seins unser angestrebtes Ziel sein sollte:

Die irdische Gemeinschaft als Ganzes muss als unsere
Heimat begriffen werden, als Mutterschoß von Schöpferkraft
und Leben.


Die keltische Spiritualität und später das keltische Christentum haben diesen Mutterschoß immer geachtet, haben das Leben als einen Prozess verstanden, an dem alles beteiligt ist.
Weibliches und Männliches wurden integriert und als gleichwertig erkannt, was sich auch darin auswirkte, dass die ersten keltisch-christlichen Klöster oft Frauen in Leitungsämter einsetzten und sowohl zölibatär lebende als auch verheiratete Geistliche zuließen. Eine Praxis, von der die römisch-katholische Kirche heute noch viel Positives lernen könnte.


Unser keltisches Erbe und das Gutsein der Natur

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Als das römische Reich im 5. Jahrhundert zerbrach, begann auch ein Rückzug des Christentums, welches als Staatsreligion Roms von dessen Untergang ebenso erschüttert wurde. Die britischen Inseln entwickelten sich in der Folge zu Refugien europäischer Christen und die speziell keltische Ausrichtung dieser Religion verbreitete sich hier immer weiter.

Missionare wie der heilige Columbanus brachen von hier zu Missionsreisen auf das Festland auf. Er gründete Klöster in den Vogesen und in Nordfrankreich, besuchte die Schweiz und gründete Gemeinschaften in Metz und Bregenz. Einer seiner Mönche namens St. Gallus blieb in der Schweiz, und um die Klostergründung dieses Mönchs nahm die Siedlung St. Gallen ihren Anfang.

Columbanus zog weiter nach Norditalien und gründete das Kloster Bobbio, welches später von Franz von Assisi besucht wurde und welches vielleicht Einfluss auf dessen Naturverständnis nahm.

Weitere Missionare, unter ihnen St. Kilian, der als Namenspatron für die Kilianskirche in Paderborn bekannt ist und dessen Standbild noch heute auf der Mainbrücke in Würzburg zu sehen ist, reisten durch Europa.
Sogenannte „Schottenklöster“, die in Wirklichkeit mit irischen Mönchen besetzt waren, hinterließen ihren kulturellen Einfluss in Wien, Regensburg, im Harz und im Thüringer Wald und an vielen anderen Orten. In der Würzburger Universität lagern beispielsweise heute noch viele wertvolle irische Manuskripte.

In England hielt sich das keltische Christentum bis zur Synode von Whitby im  Jahr 664, in Wales überdauerte es bis ins 9. Jahrhundert und in Schottland sogar bis ins 12. Jahrhundert.
Die Existenz der keltischen Kirche wurde offiziell 1172 beendet, als die Synode von Cashel das keltische Christentum unter das wieder erstarkte römische System brachte.

Die Geisteswelt dieser Tradition ist aber weiterhin auffindbar.
Mit den keltischen Mönchen, ihren Wurzeln im Druidentum und anderen heidnischen Traditionen, mit Pelagius und mit den modernen Vertretern einer schöpfungsorientierten Spiritualität können wir uns heute auf einen der sympathischsten Züge des Christentums besinnen: Dass Gott Gutes schafft und dass all dies Gute miteinander in der Liebe verbunden ist.

Wir sind nicht allein. Tiere und Pflanzen, das Rauschen der Wälder, schneebedeckte Berggipfel und die Tiefen des Meeres sind Teil dieser durch und durch guten Schöpfung, die uns umgibt, durchdringt und uns zu Ihresgleichen zählt.
Dass wir diese Schöpfung ehren und schützen sollten, weil wir ansonsten nicht nur uns selbst unserer Lebensgrundlage berauben, sondern auch vom Göttlichen Geschaffenes töten, machen abschließend noch einmal keltische Worte klar – ein Gedicht aus der Carmina Gadelica, einer Textsammlung aus dem 19. Jahrhundert:

Nicht eine Pflanze im Boden,
Die nicht voll Seiner Tugend,
Kein Wesen an Land
Das nicht voll Seines Segens.
Kein Leben in der See,
Kein Geschöpf im Fluss,
Nichts am Firmament,
Das nicht verkündet Seine Freundlichkeit.
Kein Vogel im Fluge,
Kein Stern am Himmel,
Nichts unter der Sonne,
Das nicht verkündet Seine Güte.



© Dirk Grosser


2013 und 2014 werde ich Meditationskurse anbieten, die sich auf das keltische Verhältnis von Natur, Gott und Mensch beziehen. Auch eine Irlandreise gemeinsam mit Jennie Appel und Seán ÓLaoire wird es 2014 wieder geben. Dazu werde ich hier demnächst mehr posten.

Donnerstag, 28. März 2013

John Muir

John Muir (1838 - 1914) war Naturwissenschaftler, Schriftsteller, Entdecker, Erfinder, Ingenieur, Geologe und Naturschützer. Hier ein paar schöne Zitate, die seine Weltsicht beschreiben...

*
In keiner Landschaft in der Sierra, die ich gesehen habe, gab es etwas Langweiliges oder Totes und auch nichts von dem, was in Fabriken „Ausschuss“ oder „Abfall“ genannt wird; alles ist vollkommen sauber und rein und ein Ausdruck göttlichen Wirkens. Es ist wunderbar, wie schnell und unausweichlich die Natur hier die Aufmerksamkeit in ihren Bann zieht, bis Gottes Handschrift erkennbar wird. Es scheint nur logisch zu sein, dass das, was Ihn interessiert, auch für uns interessant ist. Wenn wir versuchen, irgendetwas Spezielles herauszupicken, stellen wir fest, dass alles andere im Universum daran hängt.
*
Die Gesellschaft spricht und jeder Mann hört zu, die Berge sprechen und die weisen Männer hören zu.
*
Besteige die Berge und empfange ihre guten Neuigkeiten. Der Frieden der Natur wird in dich hineinfließen, wie der Sonnenschein in Bäume hineinfließt. Die Winde werden ihre Frische in dich hineinwehen, die Stürme ihre Energie, während deine Sorgen wie Blätter im Herbst von dir abfallen werden.
*
Ich fühle mich wieder wohl. Ich kam ins Leben durch die kalten Winde und die kristallenen Wasser der Berge.
*
Gott hat sich um diese Bäume gekümmert, sie vor Trockenheit, Krankheit, Lawinen, tausenden von Gewittern und Überflutung beschützt. Aber er kann sie nicht vor Idioten beschützen. --> http://myzitate.de/zitate.php?q=John+Muir
Gott hat sich um diese Bäume gekümmert, sie vor Trockenheit, Krankheit, Lawinen, tausenden von Gewittern und Überflutung beschützt. Aber er kann sie nicht vor Idioten beschützen.
*
Der klarste und deutlichste Weg in das (Herz des) Universum(s) führt durch die Wildnis eines Waldes.
Jeder braucht Schönheit genauso wie Brot, Orte zum Spielen und Beten, wo die Natur heilt und Körper und Geist stärkt.
*
Diese wundervollen Tage (in der Sierra) bereichern mein ganzes Leben. Sie  existieren nicht als bloße Bilder... Sie durchtränken jeden Teil des Körpers und leben für immer.
*
Zwischen zwei Kiefern findet sich ein Weg in eine neue Welt.
*

Mehr von John Muir findet man hier:


Gott hat sich um diese Bäume gekümmert, sie vor Trockenheit, Krankheit, Lawinen, tausenden von Gewittern und Überflutung beschützt. Aber er kann sie nicht vor Idioten beschützen. --> http://myzitate.de/zitate.php?q=John+Muir



Dienstag, 19. März 2013

Rupert Sheldrake: Der Wissenschaftswahn



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Gesunde Skepsis ist eine Tugend, die jeder guten Wissenschaft zu eigen ist: Unvoreingenommene Forschung, kritische Untersuchung und Prüfung der eigenen Ergebnisse, dazu eine schlüssige Beweisführung und eine Offenheit gegenüber eventuell auftretenden Anomalien, welche die Theorie nach und nach entweder untermauern oder aber entkräften – all das erwartet man von ernstzunehmender Naturwissenschaft. Ein nicht skeptischer, also dogmatischer Geist hat in den Wissenschaften keinen Platz. So sollte es zumindest sein.

Doch schaut der moderne Wissenschaftsbetrieb wirklich skeptisch und selbstkritisch auf seine ihm zugrundeliegenden Annahmen? Wird die materialistische Weltsicht, die sich seit dem 17. Jahrhundert entwickelt hat, hinterfragt? Oder ist dies der „blinde Fleck“ der Wissenschaften, das eigene Dogma?

Rupert Sheldrake beschreibt diese materialistische Weltsicht in seinem neuen Buch „Der Wissenschaftswahn“ als etwas, das eigentlich keine überprüfbare wissenschaftliche Theorie darstellt, sondern eher als „Maschinenmetapher“ bezeichnet werden sollte. Eine bloße Metapher, die dazu dient, die komplexen Vorgänge der Welt in ein uns zugängliches Bild zu kleiden. Gleichzeitig macht Sheldrake überzeugend klar, dass dieses Bild, welches erstmals in Europa mit Denkern wie René Descartes entstand, aus heutiger Sicht nicht mehr treffend ist und darüber hinaus die moderne Forschung eher hemmt.
Das Bild der Welt als riesiges Uhrwerk, das nach ehernen Gesetzen funktioniert, ist längst überholt, liegt aber dennoch vielen Forschungszweigen zugrunde, die weiterhin darauf abzielen, dieses Uhrwerk in seine Einzelteile zu zerlegen und nutzbar zu machen. Dass bei diesem Versuch immer auch zerstörerische Tendenzen entstehen, ist wohl unbestritten.

Sheldrake beschreibt das Universum stattdessen als einen wachsenden und sich entwickelnden Organismus – auch dies eine Metapher, aber eine, die uns einen tieferen Blick schenken kann und im Eintauchen in die Geheimnisse des Lebens, welche auch unser Leben erfüllen, Ehrfurcht und Wertschätzung hervorruft und achtsames Handeln bewirkt. Wir stehen keinem Uhrwerk gegenüber, das wir von außen untersuchen, sondern betrachten als Organismus (Mensch) innerhalb eines größeren Organismus (Universum) diesen sozusagen von innen.

Ausgehend von dieser Weltsicht befasst sich Sheldrake in seinem faszinierenden Buch mit Fragen nach der eigentlichen Lebenskraft, nach dem Ursprung des Bewusstseins und der Ausrichtung der Evolution. Uneingeschränkt von jedweder Denkbarriere hinterfragt er Vorurteile zu unerklärlichen Phänomenen und zu alternativen Heilmethoden, entlarvt Schwindel und Täuschung im Wissenschaftsbetrieb sowie eine selektive Veröffentlichungspolitik seitens wissenschaftlicher Fachorgane, die uns einen mechanistischen Konsens nur vorgaukeln.

Ein Buch als Plädoyer für einen offenen Blick, wenn man so will für den wissenschaftlichen „Anfänger-Geist“ im Sinne des Zen, das eine Zukunft der Wissenschaften entwirft, die immaterielle Prozesse nicht mehr länger ignorieren kann, in Dialog mit den Weisheitstraditionen der Menschheit tritt und dem Leben dient. Es gibt viel zu entdecken…

Dirk Grosser










Der Wissenschaftswahn
Warum der Materialismus ausgedient hat